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  • Swen Heidenreich

Wie uns Großstadt-Lärm beim Entspannen hilft...

Aktualisiert: 28. Aug 2019

#Achtsamkeit #Meditation #UmgangmitStress #Lärm #Ruhe

Achtsamkeit in der Großstadt: geht das?

Ich lebte einmal 3 Jahre lang in einer schönen Wohnung in Frankfurt am Main. Als wir – meine damalige Freundin und ich - dort einzogen, hatten wir zuvor schon viele heruntergekommene „Löcher“ angeschaut, waren angemessen frustriert und nun, beim Anblick dieser Wohnung entsprechend glücklich und überschwänglich enthusiastisch. Wir nahmen die Wohnung noch am selben Tag.

Wir waren insgesamt auch sehr glücklich mit der Wahl. Die Tatsache, dass wir in unserem Bad nicht im Stehen duschen konnten, sondern nur eine Badewanne hatten, in die wir uns jedes Mal hineinknien mussten, um uns mit dem Duschkopf abzuduschen, war dabei eine der vielen kleinen Dinge, an die wir uns schnell gewöhnten. 

So empfanden wir die Duschen bei Freunden und Bekannten, in Hotels oder bei der Familie immer als ein besonderes Ereignis – das leider auch meist einher ging mit einem enorm hohen Wasserverbrauch. 


Feuerwehr-Sirenen helfen bei Achtsamkeitstraining

Eine Sache, an die wir uns allerdings nur schwer gewöhnen konnten, war die Tatsache, dass sich in unmittelbarer Nähe unserer Wohnung eine Feuerwehrstation befand. Täglich fuhren Einsatzwagen unsere Strasse auf und ab. Und meist schien es so, als ob die Sirenen genau in dem Augenblick angestellt würden, in dem die Einsatzwagen an unserer Wohnung vorbeifuhren.

Es musste was geschehen. Der Feuerwehr zu sagen, sie sollten doch bitte nicht mehr ausrücken, war wohl eher keine gute Idee. Wieder ausziehen, bei der angespannten Wohnsituation auch nicht. Wir entschlossen uns, mit dieser ständigen Lärmbelästigung anders umzugehen. 

Mir war aus dem Psychologie-Studium noch das Premack-Prinzip (David Premack, 1962) bekannt. Ein Prinzip, nachdem die Auftretens-Häufigkeit eines seltenen Ereignisses dadurch erhöht wird, indem es mit einem Ereignis kombiniert wird, das häufig auftritt. 


Ein Beispiel: Kinder mögen keine Hausaufgaben erledigen – zumindest war das bei mir so. Kinder mögen jedoch draußen spielen. Ergo: Kinder machen seltener Hausaufgaben als Sie draußen spielen - was im Übrigen auch nicht anders sein sollte, finde ich! Will man jedoch als Eltern, dass die Kinder ihre Hausaufgaben regelmäßig machen, so kann man das seltenere Ereignis (Hausaufgaben) mit dem häufigeren (draußen spielen) verbinden: Sofort nach den Hausaufgaben kann draußen gespielt werden. Sehr einleuchtend. Jeder, der schon einmal etwas von operanter Konditionierung gehört hat, kann diese Zusammenhänge schnell verstehen.


Auch hatte ich - bereits einige Jahre zuvor - einen 10-Tages Vipassana Mediation-Kurs (https://www.dhamma.org/de) absolviert und war deswegen schon - auf einer sehr praktischen Ebene - vertraut mit den Prinzipien der Achtsamkeit und Vergänglichkeit. 

Genau diese beiden Prinzipien - also Premack einerseits und Achtsamkeit andererseits - haben wir dann kombiniert und auf unsere damalige Situation der „nervenden Sirenen“, angewandt.


Konkret, schlug ich vor, die Häufigkeit von Entspannung (selten) dadurch zu erhöhen, dass wir die gewünschte Entspannung mit einem sehr häufig auftretenden Ereignis kombinieren. Warum nicht gleich mit den Sirenen selbst? 

Von da an versuchten wir uns bei jeder Sirene bewusst auf unseren Atem und unseren inneren Zustand zu konzentrieren. Im Hier und Jetzt präsent zu sein, wie ich es in der Vipassana-Meditation gelernt hatte. 

Es dauerte natürlich ein wenig, bis wir aus dem alten Verhaltensmuster der Aversion gegenüber diesem Geräusch herauskamen. Aber nach nur ein paar Tagen regelmäßiger Übung geschah Etwas: 


Samuel Austin

Wir wurden ruhiger. Der Stress durch das Sirenen-Geräusch nahm ab. Nach ein paar Wochen, haben den Lärm gar nicht mehr als solchen wahrgenommen. Eher als Geschenk für achtsame und bewusste Momente. Es kam also zu einer positiven Konnotation eines ursprünglich negativ erlebten Ereignisses. 



Oder, wie schon Epiktet sagte: 

„Es sind nicht die Dinge, die uns beunruhigen, sondern die Meinungen, die wir von den Dingen haben“.

Und das Erstaunliche: Mit der Zeit gelang es uns, diese Erfahrung auch auf andere Unannehmlichkeiten im Leben zu übertragen. Einmal ganz allgemein gesagt: 


Jede Krise, jede Hürde, jeder Mensch, der uns beleidigt oder schadet, kann uns als Wegweiser dienen. Ein Wegweiser zu unserem Inneren; zu unserem authentischen Selbst - wie ich es heute nenne. 


Eli Defaria_unsplash

Durch all den Lärm im Außen, vergessen wir oft, unsere innere Stille als einen Quell von Kraft und Frieden zu nutzen. Achtsamkeit auf unseren Atem ist der erste Schritt auf dem Weg zu dieser inneren Kraft.





Ich habe dann einige Jahre später von der Praxis im Plum-Village (https://plumvillage.org) erfahren - dem Meditations-Zentrum von Thich Nhat Hanh (vor Kurzem verstorben). Dort wird am Tag einige Male eine Glocke geläutet - als Erinnerung daran, sich dem aktuellen Moment bewusst zu werden; innezuhalten in dem, was man gerade tut. 



Auch schreibt er in seinem Buch „Ich pflanze ein Lächeln“ von ähnlichen Situationen. So kann man in Großstädten (viele Stressoren) sehr schön z.B. rote Ampeln nutzen, um Achtsamkeit (selten) zu praktizieren und zu stärken.


Eine schöne Praxis. Glocken der Achtsamkeit. Ampeln der Achtsamkeit. In unserem Fall waren es die „Sirenen der Achtsamkeit“. 




Was immer es ist, was bei Euch Stress auslöst: Ihr könnt diesem auch anders begegnen. Wir können die Welt draußen zwar nur sehr bedingt beeinflussen. Unsere eigenen Gedanken, Gefühle und Handeln dagegen schon. 


Vielen Dank für das Lesen. Und nun bist Du gefragt:

Versuch es doch auch einmal. Ich würde mich sehr freuen, über Deine Erfahrungen mit dieser Praxis zu erfahren. 

Auch freue ich mich über Deine Kommentare, oder auch Empfehlungen an Menschen, die von dieser Praxis profitieren könnten. Danke dafür!


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Ich heiße Swen. Ich unterstütze Menschen dabei, ihr „authentisches Selbst“ zu entdecken und so ihr volles menschliches Potenzial zu nutzen – für mehr Zufriedenheit im Leben und Erfolg im Beruf. Ein paar Sätze, wie ich dazu kam liest Du hier: http://bit.ly/SwenHeidenreich_ÜberMich

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